Nach der Wahl ist vor der Wahl

Oder: Wie man die Kirche im Dorf lässt!

Überheblich und arrogant sei er, beklagten sie sich; Dass er unter Realitätsverlust leide, wurde gesagt; Ob er wohl den Sekt nicht vertragen oder ob er sich womöglich das Näschen gepudert habe, wurde gefragt!
Der Auftritt des Kanzlers in der Elefantenrunde am Wahlabend hat heftige Reaktionen hervor gerufen.

Dabei war es doch nur der erste flüchtige Blick auf die erste Hochrechnung des Abends, die dem Kanzler, dem alten Fuchs, sofort offenbarte, was nun zu tun sei. Während nämlich die designierte erste Kanzlerin Deutschlands noch nach Luft rang und offensichtlich das Wahlergebnis zu verdauen versuchte, hatte Schröder bereits seine Chance ergriffen.
Und seine einzige Chance, das hatte er wohl erkannt, lag in der grossen Koalition. Also hiess die Devise folgerichtig: Erst mal grosse Töne spucken und überzogene Ansprüche anmelden.

Herzerfrischend selbstgefällig bestand er also darauf:"Ich bin Kanzler und bleibe Kanzler", bevor er sich genüsslich zurück lehnte. Und als sich alle eschauffierten, vom politischen Gegner bis zum Moderator, wusste es der Sonnenkönig bereits; -seine Strategie würde aufgehen.
Da sowieso nichts konkret würde, bevor nicht das endgültige Ergebnis, auch aus Dresden vorläge, hätte Schröder auch für 2 Wochen in Urlaub fahren können. Dies tat er aber halt eben nicht, sondern bekräftigte in der kommenden Woche bei jedem Anlass seinen Anspruch aufs Kanzleramt.