Die Symptome der Verdrängung

Die Verdrängung... als eine wesentliche Eigenschaft des menschlichen Seins, drängt sich durch die öffentliche Empörung angesichts der Folterfotos aus Abu Gahreib nun wieder vehement ins Bewusstsein. Diese Bilder schaffen, was in den letzten Jahren unmöglich geworden schien. Sie einten die Menschen in der westlichen Welt, ob nun Kriegsgegner oder Kriegsbefürworter, in ihrer Empörung über diese Grausamkeiten.

Gross war der Aufschrei in den westlichen Medien, als die Vorgänge in Saddams ehemaliger Geständnis-Manufaktur bekannt wurden. Die Unterschiede in den Mitteln der Erkenntnisgewinnung, zwischen den alten und neuen Betreibern des Kerkers hatten sich als marginal erwiesen. Doch noch viel grösser wird die Empörung aber erst sein, wenn sich rechtsgültig bestätigt, dass die Streitkräfte der USA auch minderjährige Iraker inhaftieren und foltern.

Dieses Aufschreien offenbart aber einen eher traurigen Faktor.
Es steht heute ausser Zweifel, dass es keine ausreichende Legitimation für den Irakkrieg gab. Dass ein unrechter Krieg mit unrechten Mitteln geführt wird, ist nur die logische Schlussfolgerung. Scheinbar ist es aber eine gesellschaftlich weit verbreitete Annahme, dass Kriege, wenn sie denn zu Recht gefuehrt werden ohne die kriegstypischen Gräuel ablaufen wuerden. Nur so lassen sich die massiven Reaktionen erklären.

Letztlich verdeutlicht diese naive Ansicht nur den menschlichen Verdrängungsmechanismus, wenn es denn seiner Bequemlichkeit dient. Denn schlussendlich machen wir mit dem Volltanken unserer Autos einen Krieg um Öl erst rentabel.