Papst spricht Azteken heilig.
Während seines Mexikobesuches sprach Papst Johannes Paul II den aztekischen Bauern Juan Diego heilig, der im 16. Jahrhundert eine Marienerscheinung hatte.
Natürlich war es für die Katholische Kirche noch nie massgeblich ausschlaggebend für eine Heiligsprechung, dass sich der heilig zu Sprechende durch ein aussergewöhnlich vernünftiges, verständnisvolles und humanes Verhalten ausgezeichnet hätte. In diesem Fall ist es jedoch offensichtlich, dass Juan Diego heilig gesprochen wurde weil er der Katholischen Kirche unzählige Konvertierte bescherte und die Probleme mit den Resten des massakrierten Volkes beendete.
Bei der Eroberung der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan im Jahr 1521 gingen die spanischen Katholiken mit einer unbeschreiblichen Brutalität vor. Nach dem Abzug der Expeditionsstreitkräfte war der Untergang des erst 100 Jahre alten Aztekenreich besiegelt, ihre Eliten massakriert und ihre Städte, grösser als alles was die Spanier aus Europa kannten, verwüstet. Dabei waren die Europäer bei ihrer Ankunft noch für Götter gehalten worden, man trat ihnen mit Ehrfurcht entgegen und war bereit alles zu tun, was ihnen gesagt wurde.
Verständlicherweise waren die übrig gebliebenen Azteken nach dem Wüten von Tenochtitlan nicht mehr bereit auf die Spanier zu höhren oder sich gar bekehren zu lassen. Als aber Juan Diego behauptete eine Marienerscheinung gehabt zu haben, konvertierten die Ureinwohner in Massen zum christlichen Glauben. Dies vereinfachte das spanische Vorhaben den amerikanischen Kontinent zu Christianisieren erheblich.
Und in den folgenden Jahrhunderten wurde der amerikanische Kulturkreis nahezu vollständig durch den abendländischen ersetzt. Vielleicht hofft der Papst ja, durch diese Heiligsprechung die weltweiten Austritte aus der Katholischen Kirche zu stoppen. Aber die Menschen haben in den letzten Jahrhunderten auch gelernt. Und so kritisieren vor allem die Vertreter der lokalen Indianerorganisationen diese Heiligsprechung und machen darauf aufmerksam, dass der Holocaust an den indigenen Ureinwohnern bis heute Ungesühnt blieb.