Nachruf auf ein Sommertheater

Kurz bevor Nessie, pünktlich und bedrohlich wie die Vorweihnachtszeit, aus der Versenkung aufzutauchen drohte, bescherte uns die italienische Regierung eine Posse von niederer Qualität, aber immerhin hohem Unterhaltungswert.

Zum Auftakt entglitt Berlusconi, gleich in seinem ersten Auftritt als EU-Ratspräsident, ein plumper Vergleich zum Nationalsozialismus, der aber bei weitem nicht an Kohl’sche Dimensionen heranreichte. Denn letztlich bot er bloß dem deutschen Europaabgeordneten Schulz eine Rolle in einem italienischen Film an. Dass die Rolle eines Nazis die einzige ist, die Herr Schulz als deutscher Schauspieler in einem ausländischen Film erwarten kann, müsste ihm eigentlich bekannt sein.

Und in Anbetracht unserer Arbeitslosenquote muss man Berlusconi den ernsthaften Versuch zu Gute halten, einem Deutschen zu ehrlicher Arbeit verhelfen zu wollen.

Nichtsdestotrotz reichte dieser Vergleich berechtigterweise für ein europaweites Rauschen im Blätterwald. Aber nicht das Berlusconi daraufhin zurückgetreten wäre, aus lauter Scham vor dem Schaden den er seinen Ämtern, seiner eigenen Person und dem Ansehen Italiens zufügte.

Nein; er inszenierte lieber ein Telefonat mit Bundeskanzler Schröder, mit der Aussicht auf eine Entschuldigung, die er natürlich nach der öffentlichen Anerkennung durch Schröder prompt widerrief. Stattdessen definierte er seinen Ausfall nun als Ironie.

Aber das beste war:
Nun folgte erst der zweite Akt.